Wie bricht Carbon und wie soll Carbon gepflegt werden?

Wie schon im ersten Teil der Artikelserie erwähnt zerbricht Carbon anders als Aluminium. Während Aluminium nicht einfach so bricht – zumindest wenn der Hersteller seine Produkt richtig konstruiert hat und bei der Montage das richtige Drehmoment verwendet wurde – sondern bei einem Aufprall sich erstmal verbiegt, ist das bei Carbon Teilen meistens anders.

Einen Carbonlenker kann man aufgrund seiner Materialeigentschaften nicht verbiegen. Bei einem Aufprall können im Inneren des Lenkers die angeordneten Faser zerbersten. Diesen Schaden muss man nicht unbedingt von aussen erkennen können, da ein Carbon Lenker oder andere Fahrradteile aus Carbon aus mehreren Faserlagen besteht. Es reicht aus wenn hierbei die tieferliegenden Fasern brechen. Wenn dieser Lenker weiter verwendet wird, kann dieser Riss von Zeit zu Zeit immer größer werden. Normalerweise ist dieser Vorgang mit deutlich vernehmbaren Geräuschen verbunden, da das Harz – das die Fasern zusammenhält – sich löst und diese Geräusche verursacht. Sollte der Schaden äußerlich nicht erkennbar sein, im Inneren aber schon groß genug sein, kann der Lenker ohne Vorankündigung brechen.

Deswegen sollte nach einem Sturz und wenn man sich nicht sicher ist, wie stark der Lenker beschädigt ist, diese Fahrradteile unbedingt tauschen. Wenn den Austausch des Fahrradteils nicht gemacht wird, sollte zumindest folgendes getestet werden:

Zwei Personen ziehen / drücken den Lenker an den jeweiligen Enden jeweils mit viel Kraft nach oben / unten. Sollte dabei nichts zu hören sein und sich auch optisch nichts verändern, kann der Lenker normalerweise weiter verwendet werden. Ist dabei ein Knirschen oder Knarzen zu hören, muss der Lenker unbedingt getauscht werden. Akutes Lenkerversagen kann unter gewissen Umständen tödlich sein!

Carbonteile an sich benötigen keine spezielle Pflege, allerdings sollten Fahrradteile und Fahrradzubehör aus Carbon mit einem speziellen Pflegemittel regelmäßig behandelt werden. Von diversen Herstellern gibt es Pflegeprodukte die Carbonteile auch nach längerem Gebrauch wieder in altem Glanz erscheinen lassen. Da Lacke naturgemäß auf Carbon relativ schlecht haften, muss man hier auch ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Gerade im Mountainbike Bereich mag dann ein schwarzer Rahmen besser sein, da Lackplatzer meist nicht großartig auffallen.

3 Kommentare bisher »

  1. Urs sagt

    am 27. Dezember 2009 @ 00:56

    habe ca. 145kg lebendgewicht und mir ein 5000 euro teures und ca 6,8 kg schweres carbonbike zugelegt!
    bei der ersten ausfahrt über eine erhöhte bahnschwelle bei ca. 20 km/h zerbrach das ding unter mir inklusive lenker in dutzende einzelteile.
    lag wegen steckender splitter in beiden beinen und einem handgelenksbruch 3 wochen in einem KH in Bern.
    auf eine reklamation beim händler wurde mir gesagt ich solle erst mal 35 kilo mit laufen und diäten abnehme ehe ich mich wieder auf so ein material setze. *grrrrrrrrrrrrrrrr*
    das hatte mir der vorgänger des verkäufers aber leider nicht mitgeteilt. ich erhielt lediglich ein rennrad mit alu-rahmen als ersatz angeboten.ein prozess deswegen gegen den händler läuft bereits. ich debnke ich habe gute chancen zu gewinnen.
    Urs

  2. Tom sagt

    am 27. Dezember 2009 @ 17:33

    Urs, vielen Dank für deinen Kommentar. Zum Glück geht es dir besser. Ich denke auch das du in diesem Prozess sehr gute Chancen hast. Lass uns bitte wissen wie das Ganze ausgegangen ist.
    Das würde sicher viele Personen interessieren.

    Ist mir ehrlich gesagt unverständlich wie man dir – bei diesem Gewicht – ein Carbon Rennrad verkaufen kann.

  3. Helmstaedt sagt

    am 2. März 2010 @ 20:39

    Hallo Urs,

    sicher ist das mehr als ärgerlich und schmerzhaft gewesen.

    Unterscheiden muß man hinsichtlich der Produkthaftung des Herstellers, der Gewährleistung des Herstellers sowie dem Händler der wiederum aus vertraglicher Gewährleistung sowie ggf. Beratungsverschulden haften wird.

    Am ende wird ein Kompromiß herauskommen, weil der Händler sich darauf zurückziehen wird, daß er nicht Dich als Fahrer, sondern Dich als Käufer zum Weitergeben des Rades sah. Wie realistisch dies bei einem Fahrrad für 5000,- € ist, sei dahingestellt.
    Bei 145 kg ist aber nach dt. Recht auch die Frage der Offenkundigkeit, möglicherweise des Mitverschuldens berührt.
    Viele Grüße und der Verkäufer sollte in Zukunft ausschließlich Downhillmaschinen ohne Carbonanteil verkaufen.
    Andreas

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